Glossar

Hausschornstein
Der Hausschornstein umfasst alle Schornsteine, die im privaten Wohnhausbau Verwendung finden. Hierzu zählen insbesondere dreischalige (Isolierschornstein) und zweischalige Schornsteine. Der Begriff grenzt die Schornsteine an häuslichen Feuerstätten von den Industrie- und Kraftwerksanlagen ab, die in der Regel höher sind und einen größeren Querschnitt besitzen.

Isolierschornstein
Hierunter versteht man den traditionellen Schornstein, der auch dreischaliger (Haus-)Schornstein genannt wird. Er besteht im Innern aus der abgasführenden Innenschale (Rohr), einer darum angeordneten Wärmedämmung sowie einer mineralischen Außenschale (Mantelstein).

Abgasleitung
Die Abgasleitung führt Abgase von Feuerstätten ab, die aufgrund niedriger Temperaturen (Niedertemperatur- bzw. Brennwerttechnik) mit Hilfe eines Gebläses im Überdruck gefördert werden müssen, da der natürliche Auftrieb zu gering ist. Abgasleitungen sind stets gasdicht auszuführen. Im Abgas enthaltene Feuchtigkeit kondensiert aufgrund der geringen Temperatur bereits in der Abgasleitung, weshalb diese feuchteunempfindlich sein muss. In der Regel sind Abgasleitungen zweischalig ausgeführt.

Kondensatbeständigkeit
Der Begriff differenziert Abgasanlagen danach, wie viel Feuchtigkeit aus dem Abgas bereits in der Abgasanlage (Schornstein oder Abgasleitung) kondensiert. Bei Feuerstätten mit höheren Temperaturen ist der thermische Auftrieb so hoch, dass es planmäßig nicht zu einem Ausfall von Kondensat innerhalb des Schornsteins kommt. Hier spricht man von trockener Betriebsweise (Kennzeichnung „D“).
Sind die Abgastemperaturen hingegen niedriger und kommen Brennstoffe wie Öl oder Gas zum Einsatz, so wird bei Unterschreiten des Taupunkts innerhalb der Abgasanlage stets Kondensat anfallen, das als Wasser auf der Innenwand des abgasführenden Innenrohres hinunter läuft. Die Abgasanlage wird dann in der sog. feuchten/nassen Betriebsweise (Kennzeichnung „W“) betrieben.

Mantelstein
Moderne Abgasanlagen bestehen aus zwei oder drei Schichten (Schalen). Die Außenschale bildet ein in der Regel mineralischer Formstein, der optimal auf die Aufnahme der inneren Schale(n) abgestimmt ist. Mantelsteine tragen heute das CE-Zeichen nach DIN EN 12 446-1.

Wärmedämmung
Die Wärmedämmung ist Bestandteil dreischaliger Hausschornsteine. Sie liegt um das abgasführende Innenrohr und sorgt dafür, dass die mit steigender Höhe fortschreitende Abkühlung der Abgase reduziert wird. Somit bleibt der natürliche Auftrieb länger erhalten. Die Wärmedämmung wirkt leistungssteigernd auf die Abgasanlage; sie ermöglicht grundsätzlich größere Schornsteinhöhen gegenüber zweischaligen Anlagen ohne Dämmung. Neben dem Wärmedurchgangswiderstand muss die Dämmung auch hohe Anforderungen an den Brandschutz erfüllen.

Innenrohr
Das Innenrohr einer Abgasanlage ist die abgasführende Schale. Je nach Zusammensetzung der Abgase werden unterschiedliche Anforderungen an das Innenrohr gestellt. Es kann rußbrandbeständig, feuchteunempfindlich oder beides zugleich sein (GW3). In jedem Fall ist die Oberfläche strömungsoptimiert, säurebeständig, bietet einen hohen Kehrwiderstand, usw. Keramische Innenrohre tragen das CE-Zeichen nach DIN EN 1457-1.

Temperaturklasse
Die Temperaturklasse gibt an, bis zu welcher Nennbetriebstemperatur die Abgasanlage einsetzbar ist. In der Kennzeichnung der Abgasanlage ist sie als Txxx (mit xxx in °C) zu finden.

Nennbetriebstemperatur
Die Nennbetriebstemperatur ist die im Betrieb der Feuerstätte bei Nennleistung erzielte durchschnittliche Abgastemperatur.

Rußbrandbeständigkeitsklasse
Die Rußbrandbeständigkeitsklasse gibt an, ob die Abgasanlage die Anforderungen an die Beständigkeit gegen Rußbrand erfüllt. Ein rußbrandbeständiger Schornstein ist mit Gyy gekennzeichnet, eine nicht
rußbrandbeständige Anlage trägt die Kennzeichnung Wyy. Dabei gibt yy den bei der Aufstellung der Anlage einzuhaltenden Mindestabstand (in cm) zu brennbaren Bauteilen an.

Feuchteunempfindlichkeit
Hierunter fallen alle Abgasanlagen, die geeignet sind für feuchte/nasse Betriebsweise (s. auch Kondensatbeständigkeitsklasse). Das Innenrohr feuchteunempfindlicher Abgasanlagen muss dicht genug sein, so dass anfallendes Kondensat nicht durch die Rohrwand hindurch diffundieren kann. Alternativ erfordert die Innenrohrsäule eine Hinterlüftung, durch die Feuchtigkeit auf der Rohraußenseite abgeführt werden kann.

Feuerwiderstandsklasse
Die Feuerwiderstandsklasse Lzz gibt die Zeitspanne (Feuerwiderstandsdauer) in zz Minuten an, der die Abgasanlage bei Brandbeanspruchung widersteht. Feuerbeständige Anlagen sind durch eine Feuerwiderstandsdauer von 90 Minuten gekennzeichnet (L90).

Gasdichtheitsklasse (Druckklasse)
Die Gasdichtheitsklasse (Druckklasse) gibt an, für welche Betriebsweise die Abgasanlage geeignet ist. Die Unterdruckklassen N1 und N2 kommen bei konventionellen Feuerstätten, die mit Öl, Gas oder Festbrennstoffen betrieben werden, zum Einsatz. Die Überdruckklassen P1 und P2 findet man bei Niedertemperatur- und Brennwerttechnik (Öl, Gas). Die Hochdruckklassen H1 und H2 sind im Hausschornsteinbau unüblich. Sie treten z.B. bei Blockheizkraftwerken auf.

Unterdruck
Der Grundgedanke eines Schornsteins besteht darin, die Abgase der Feuerstätte (Heizungsanlage) dadurch aus dem Gebäude zu führen, dass man den natürlichen Auftrieb des leichteren (warmen) Gases gegenüber Luft nutzt. Dieser Effekt wird auch Kamineffekt genannt. Bei richtiger Dimensionierung des Schornsteins in bezug auf die zu fördernde Gasmenge und die dabei herrschende Temperatur entsteht ein natürlicher Unterdruck, der die Abgase nach oben fördert.

Überdruck
Moderne häusliche Warmwasserheizungen mit Niedertemperatur- und Brennwerttechnik haben für den Betrieb des Schornsteins nicht mehr genügend hohe Abgastemperaturen für die Bildung eines ausreichenden natürlichen Auftriebs. Werden die Abgastemperaturen so niedrig, das ein ausreichender
Auftrieb ausbleibt, dann wird ein Gebläse eingesetzt, um die Gase durchÜberdruck zu fördern. Die Abgasleitung muss in diesem Fall gasdicht sein, d.h. es dürfen keine Abgase in Verbindungsfugen oder durch die Rohrwand der Innenrohrsäule austreten können.

Raumluftunabhängiger Betrieb
Beim raumluftunabhängigen Betrieb einer Feuerstätte wird die zur Verbrennung notwendige Verbrennungsluft durch einen Zuluftkanal (separat oder konzentrisch) eingeführt, der mit der Umgebung des Gebäudes in Verbindung steht. Sie wird überwiegend beim Brennstoff Gas angewandt, insbesondere bei der Brennwerttechnik. Zu den Vorteilen zählen, dass keine Anforderungen an das Mindestluftvolumen des Aufstellraums der Feuerstätte gestellt werden, die Zug- und Druckverhältnisse annähernd konstant bleiben und in der Regel eine Kohlenmonoxid-ärmere Verbrennung erfolgt.

Raumluftabhängiger Betrieb
Im Unterschied zur raumluftunabhängigen Betriebsweise wird hier die Verbrennungsluft aus dem Aufstellraum der Heizung entnommen. Der Raum muss demnach bestimmte Mindestanforderungen an das Raumvolumen erfüllen bzw. es ist eine Luftverbindung nach Außen erforderlich (Zuluftgitter in der
Außenwand). Moderne Energiesparhäuser mit dichter Gebäudehülle erlauben heute vielfach keine raumluftabhängige Betriebsweise.

Luft-Abgas-System (LAS)
Bei Luft-Abgas-Systemen wird die Verbrennungsluft nicht dem Aufstellraum der Feuerstätte entnommen, sondern aus der Umgebung des Gebäudes direkt eingeführt. Die Abgasanlage wird in raumluftunabhängiger Betriebsweise (s. dort) betrieben.

Luft-Abgas-Schornstein für feste Brennstoffe (LAS-F)
Festbrennstofffeuerstätten (z.B. Kachelöfen, Kaminöfen, etc.), bei denen die Verbrennungsluft nicht aus dem Aufstellraum der Feuerstätte entnommen wird erfordern einen Schornstein, der in raumluftunabhängiger Betriebsweise (s. dort) betrieben wird. Bei offener Bauweise des Gebäudes können so gefährliche Wechselwirkungen zwischen z.B. einer Dunstabzugshaube am Herd und dem Kaminofen im Wohnzimmer vermieden werden.

Hinterlüftung
Das bei feuchteunempfindlichen Abgasanlagen eventuell durch die Rohrwand diffundierende Kondensat wird bei hinterlüfteten Anlagen durch einen Ringspalt zwischen Rohr und Mantelstein nach außen abgeführt. So lässt sich verhindern, dass Feuchtigkeit durch den Mantelstein ins Mauerwerk zieht und
im Wohnraum Feuchteschäden verursacht.

Säurekitt
Säurekitt ist ein säurebeständiger Mörtel, der zum Versetzen keramischer Kaminrohre verwendet wird. Er erfüllt die besonderen Anforderungen in bezug auf Wasser- und Säurebeständigkeit, die besonders bei feuchter/nasser Betriebsweise an die Abgasanlage gestellt werden.

Isostatisch gepresste Kaminrohre
Isostatisch gepresste Kaminrohre werden aus einem besonderen (Ton-)Granulat durch hohen Druck von über 600 bar gepresst. Dabei entstehen dünnwandige, leichte Muffenrohre, die auch nach einem Rußbrand noch feuchteunempfindlich sind. Diese Eigenschaften werden erreicht durch die perfekte Abstimmung von Rohstoff, Presse und Brennaggregat. Isostatische Rohre sind nur in rundem Querschnitt lieferbar.

Plastisch gepresste Kaminrohre
Plastisch gepresste Kaminrohre sind in Nut-Feder-Verbindung ausgeführt. Sie sind in runder und quadratischer Ausführung erhältlich. Sie entstehen aus plastisch formbarer Masse in Extruderpressen.

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